Home Nach oben Brauchtum

 

 

Hasel und Haselnuss, wertvolle Nahrung, vielseitiger Rohstoff

Hasel, unser Begleiter seit der Steinzeit

Namen der Hasel

Hasel und Haselnuss im Brauchtum

Haselnuss-Holz für Schutz und Obdach

Hasel und Haselnuss, Zauber und Fruchtbarkeit

Hasel und die Liebe

Hasel und das Glück

Haselnuss, das gesunde Nahrungsmittel

Hasel und Haselnuss als Heilmittel

Haselnuss in der Kosmetik

Hasel und Haselnuss in der Forschung

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

 

Hasel und Haselnuss, Nutzpflanze seit der Steinzeit

Zu den ersten Frühjahrsblühern gehört der Haselnussbusch. Seine gelben Kätzchen warten schon seit dem Vorjahr darauf sich zu entfalten. Im Frühjahr strecken sie sich und lassen ihre Pollen fliegen. Haselnussbäume sind mit den Birken verwandt. Allergiker bekommen dies oft zu spüren.

Hasel und Haselnuss. Bräuche, Orakel, HeilkraftDie Gemeine Hasel (Corylus avellana) ist in Europa weit verbreitet. Sie folgte der Birke nach der Eiszeit ins nördliche Europa und verdrängte diese aus einigen Regionen. An ihren Früchten, den kleinen braunen Nüssen, labten sich schon unsere steinzeitlichen Vorfahren.

Weitere Namen der Hasel

Fast jede Region hat ihre eigenen Trivialnamen entwickelt. Augstnus (von Augustnuss), Hagnuss, Drateln, Hasliholz etwa herrscht im Süden vor. Hasselstaude, Hasselnot, Hasselstruk Hesse, Hüselte, Klaeterbusk Kätzlein, Klöterbusch, Märzennudeln Nussbusch heißt sie im Norden. Dazwischen finden sich Namen wie Hesele oder Heslinholz, um nur einige zu nennen.

Hasel und Haselnuss im Brauchtum

Wie wertvoll waren wohl diese nahrhaften Kerne, für die in einer kargen Landschaft siedelnden Menschen? Wir können es kaum ermessen, doch das reiche Brauchtum, welches sich um die Hasel rankt, lässt auf eine große Wertschätzung schließen.

An Ostern etwa, werden junge Haselnuss-Zweige geschnitten und in die Vase gesteckt. Man nennt sie Palm-Kätzchen, in Anlehnung an die Palmwedel, mit denen Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem empfangen wurde.

Haselnuss-Holz

Einst durfte kein Haselnuss-Strauch gefällt werden. So ist es zumindest von den Germanen überliefert.

Der Haselnuss-Strauch hat eher schlanke Stangen und biegsame Ruten, als Bauholz für Lehmbauten und Dächer hervorragend geeignet. Auch für Flechtwerk, Speere und Armbrust fanden sie Verwendung. Einfriedungen, und Schutzzäune flocht man aus dem elastischen Material, ebenso wie Körbe und Behälter. Für die Korbflechterei ist Hasel noch heute ein beliebter Werkstoff.

Mit der aus Hasel-Holz hergestellten Kohle, ließ sich wunderbar zeichnen.

Selbst die Asche fand noch Verwendung. Verkocht mit Birkenrinde konnte man eine Rotfärbung erzielen.

Die Schutz-Pflanze

In der Steinzeit bedeutet es für jede Gemeinschaft eine immense Herausforderung sich vor Feinden zu schützen und die Nahrungsarmut des Winters zu überstehen. Das Bedürfnis nach Schutz ging tiefer, als wir es heute nachempfinden können. Wen wundert es da, dass die Verwendung der Hasel zum Schutz von Leib und Leben, zu einer Übertragung auf spiritueller Ebene führte?

Um die Sippe satt zu bekommen, war es üblich, mit Pfeil und Bogen auf die Jagd zu gehen. Steinzeitliche Funde belegen, dass Haselholz für Pfeilschäfte genutzt wurde.

Das weiche Holz gebrauchte man später, um Schießpulver herzustellen.

Haselnuss als Fruchtbarkeits-Symbol und Zauber-Pflanze

Vorchristliche Grabfunde belegen die enge Beziehung der damaligen Menschen zur Hasel. Sie galt als Symbol des Glücks und des Lebens schlechthin. Sie war Friedensbotin, Frühlingskünderin und Fruchtbarkeits-Symbol.

An Ostern wurden die Äcker "gepalmt". In den Boden gesteckte Hasel-Reiser sollten die Ernt schützen und reiche Erträge sichern.

Man schrieb der Haselnuss aphrodisierende Eigenschaften zu. So wurde zu Pulver gebrannte Haselrinde ins Essen gemischt, um die Liebeskraft zu stärken.

Im regionalen Brauchtum erhielten sich viele Rituale, die Bezüge zu Fruchtbarkeit und Sexualität zeigen. So war es etwa in Frankreich  Brauch, einen Korb mit Nüssen neben das Brautbett zu stellen. Mancherorts bewarfen sich die Gäste eines Hochzeitsmahles gegenseitig mit Haselnüssen.

Auch in einigen Märchen ist der Bezug der Hasel zur Sexualität erkennbar. Hildegard von Bingen, eine fromme Klosterfrau, nannte den Haselbaum daher konsequenter Weise, ein Sinnbild der Wollust, der zu nichts zu gebrauchen sei.

Im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm findet sich der Hinweis :

"Die mythischen bezüge der hasel sind mehrfach; sie dient namentlich als wünschelrute oder springwurzel (Kuhn herabkunft des feuers 227 fg.). dieser umstand ist geeignet, die etymologische verwandtschaft zwischen hasel und hase zu bezeugen und die zu letzterem worte sp. 526 gegebenen etymologischen vermutungen zu stützen. auch dasz die hasel erotische bedeutung hat (in die haseln gehen heiszt liebeln. Wolfs zeitschr. f. deutsche mythol. 3, 96) fügt sich dem; die zu grunde liegende wurzel çaç springen wäre dann auf das geschlechtliche bezogen."

Die Bezüge zu Liebesdingen zeigen die Hasel nicht nur in positivem Kontext. So galt es in der Mainacht als üblich, Mädchen zu schmähen, denen man einen losen Lebenswandel unterstellte. Anstelle eines Birkenbäumchens pflanzte man ihnen eine Haselrute vor die Tür.

Wenn Donner über kahlen Haselstauden zu hören sei, dann gebe es viele gefallene Jungfrauen, glaubte man einst. Gab es im Herbst viele Haselnüsse, so sagte man früher, dass im darauf folgenden Jahr viele Kinder geboren würden.

Die magische Seite der Hasel zeigt sich im Aberglauben. So meinte man, dass Hexen sich der Hasel bedienen um ihre unchristlichen Handlungen zu begehen. Überliefert ist diese Sage von der Hasel-Hexe:

Ein Knecht beobachtete, wie eine Magd von Hexen gekocht und verspeist wurde. Anschließend erweckten sie die Magd zum Leben und ersetzten eine fehlende Rippe mit einem Haselstecken. Der Knecht beschimpfte sie darauf hin als Hasel-Hexe, worauf diese tot umfiel.

Einst zum Schutz von Hof und Vieh genutzt, sprach man der Hasel später schutzmagische Kräfte zu. So sollte sie etwa vor Blitzschlag schützen können.

Liebesorakel mit der Haselnuss

Beliebt bei jungen Mädchen waren Liebesorakel. Unverheiratete Mädchen gingen in den Garten zum „Haselnuss-Schütteln“. Wer sechs Haselnüsse an einem Stiel fand, würde bald eine Braut, war der Aberglaube.

Ist an Johanni schönes Wetter, so gibt es viele Haselnüsse und viele Kinder, meint eine Bauernregel.

Hasel-Wünsche

Die Hasel war ein angesehener Glücksbringer. Bekannt ist die Nutzung der Hasel als Wünschelrute. Noch heute suchen Kundige mit der Haselrute nach unterirdischen Wasserquellen. Früher glaubte man, mit ihrer Hilfe verborgene Schätze finden zu können.

Nach einem anderen Aberglauben, hauste der Haselwurm unter dem Haselbusch. Ein begehrenswertes Wesen, welches zu Reichtum und Wohlstand führen konnte, falls man seiner habhaft würde.

Wer kennt nicht das Märchen vom Aschenputtel, das in ihrer Trauer einen Haselzweig auf das Grab ihrer Mutter pflanzte? Das Haselbäumchen war ihre einzige Zuflucht vor der bösen Stiefmutter. Mit dem Spruch: "Bäumchen rüttle dich, schüttle dich. Wirf Gold und Silber über mich" fand sie schließlich ihr Glück.

Hasel und Haselnuss für die Gesundheit

Haselnüsse sind lecker und nahrhaft. Seit Jahrtausenden gehören die schmackhaften Kerne zu unserer Nahrung, vor allem in der kalten Jahreszeit. Im Laufe der Zeit entstanden viele Rezepte und Anwendungen für die begehrte Nuss.

Man extrahierte das wertvolles Öl, rieb die Kerne zu Mehl, rührte leckere Pasten zusammen. Und schließlich brannte man die Nüsse zu hochprozentigen Spirituosen.

Doch Nahrungsmittel sind auch Heilmittel. Und so nutzt die Volksmedizin die gesundheitlichen Wirkungen der Hasel seit langem.

Bei Dioskurides etwa steht:

"Haselnuss gestoßen und klein Rosin darunter gemischt und genützt ist gut der bösen lebern und auch der bösen lungen"

 

Kräuterbücher des Mittelalters nennen eine Reihe von Anwendungen, unter anderem diese:

Reinberger Speck und Bärenschmalz gemischt, mit zu Asche gebrannter Nuss als Salbe, aufgetragen auf die kahlen Stellen, nützt gegen Haarausfall

 

Pfarrer Künzle empfahl zerstoßene Haselnüsse, in Mich gekocht, gegen Husten.

Haselblätter, als Tee zubereitet, gelten in der Volksmedizin als Diuretikum. Er wird verabreicht bei Durchfall und Blähungen. Die Kätzchen sollen das Fieber senken können. Auch in der schwedischen traditionellen Medizin, zur Behandlung von entzündlichen Erkrankungen und in der Wundheilung, wird die Hasel verwendet.

Haselnuss für Hautpflege und Kosmetik

Haselnussöl ist ein wunderbares Hautpflegemittel. Es hilft bei bei empfindlicher Haut und trockener Haut. Es gilt als Gewebe festigend und pflegend. Wegen seiner gefäßstärkenden Eigenschaften empfiehlt es sich als Pflegeöl bei Besenreisern und Krampfadern. Auch als Anti Aging Mittel wird Haselnussöl angepriesen.

Haselnussöl eignet sich wunderbar für die Pflege trockener, angegriffener Haare. Es lässt das Haar nachdunkeln. Deshalb findet sich Haselnuss in tönenden und färbenden Haarpflege-Produkten.

Der Extrakt der Haselblätter besitzt viele Gerbstoffe. Er kann statt Hamamelis-Extrakt verwendet werden. Teils findet man ihn in Deodorantien und Kosmetika für unreine Haut.

Was die Forschung herausgefunden hat

Gerade in jüngerer Zeit mehren sich die Meldungen, dass verschiedene Bestandteile der Hasel gegen Krebs helfen könnten. So fand man etwa in der Schale Substanzen die gegen Hautkrebs wirksam sind.

Auch für die gesunde Ernährung sind die einst, als Dickmacher gescholtenen Nüsse der Hasel, offenbar sehr wertvoll. In Studien konnte ihre Cholesterin senkende Wirkung beobachtet werden.

Interessant ist auch die bessernde Wirkung auf das Gedächtnis. In der iranischen traditionellen Medizin, gilt der Genuss der Haselnuss seit langem als hilfreich. Besonders bei einer bestimmten Art von Demenz, welche Symptome der Alzheimer-Krankheit aufweist.

Bei der Untersuchung der "Nocciola di Giffoni", einer bekannten, in Italien angebauten Kulturform der Hasel, entdeckte man zahlreiche Blutfett senkende Substanzen.

Wissenschaftliche Quellen

Hazelnut (Corylus avellana L.) Shells Extract: Phenolic Composition, Antioxidant Effect and Cytotoxic Activity on Human Cancer Cell Lines.

Esposito T, Sansone F, Franceschelli S, Del Gaudio P, Picerno P, Aquino RP, Mencherini T.

 

Effects of Hazelnut Consumption on Blood Lipids and Body Weight: A Systematic Review and Bayesian Meta-Analysis.

Perna S, Giacosa A, Bonitta G, Bologna C, Isu A, Guido D, Rondanelli M.

 

Hazelnut and neuroprotection: Improved memory and hindered anxiety in response to intra-hippocampal Aβ injection.

Bahaeddin Z, Yans A, Khodagholi F, Hajimehdipoor H, Sahranavard S.

 

Giffonins A-I, antioxidant cyclized diarylheptanoids from the leaves of the hazelnut tree (Corylus avellana), source of the Italian PGI product "Nocciola di Giffoni".

Masullo M, Cerulli A, Olas B, Pizza C, Piacente S.

 

Partnerseiten:

Natur & Kosmetik

 

Nach oben

Impressum   Datenschutz