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Wegwarte, die Sonnenbraut

Namen der Wegwarte

Gesundheitlicher Wert der Wegwarte

Verwendung der Wegwarte

Wegwarte in Brauchtum und Aberglauben

Wegwarte in Wissenschaft und Forschung

Wegwarte in Brauchtum und Volksheilkunde

Viele Zeugnisse im Brauchtum weisen auf die lange Nutzung der Wegwarte hin. Aberglauben, Legenden und Sagen ranken sich um die schöne Pflanze. Die gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) oder auch gewöhnliche Wegwarte, blüht an Feldrainen und Wegrändern. Für ein gutes Gedeihen mag sie es eher trocken und sonnig. Sie liebt vor allem schwere und lehmige Böden.

Namen der Wegwarte

Über 60 Namen gibt es im deutschsprachigen Raum zur Wegwarte. Am bekanntesten ist der Name Zichorie oder wilde Zichorie, der an ihre botanischen Bezeichnung erinnert.

Die Eigenart, sich der Sonne zuzuwenden trug ihr Namen, wie Sonnenkraut, Sonnenbraut und Sonnenwendel ein. Nach derart anstrengender Bewegung schließen sich die Blüten bereits um die Mittagszeit. Das gefiel wohl nicht allen. Und so betitelte man sie sogleich mit den wenig wohlwollenden Namen "Faule Magd" und "Faule Gretel".

Wegen der Heilkraft der Wegwarte, nannte man sie etwa Hustenkraut, Nierenkraut oder Sichelkraut.

"Zigeunerblume" wurde evtl. von Zichorie abgeleitet. Doch auch das Ansehen der weißen Wegwarte und deren Verwendung beim fahrenden Volk können hier eine Rolle spielen.

Preußen wurde einst von einem sehr sparsamen König regiert. Diesem missfiel der unökonomische Import des in Mode gekommenen Kaffees. Ein heimischer Kaffeeersatz musste her. Durch den nun geförderten Zichorienanbau kam die Wegwarte zu dem Beinamen Duitschen.

 

Inhaltsstoffe der Wegwarte

Ihre zartblauen Blüten erfreuen uns den ganzen Sommer hindurch. Gelegentlich finden sich auch Exemplare mit weißen Blüten. Wegwarten sind die Wildform des leckeren Chicoree. Ihre Bitterstoffe fördern die Gesundheit von Galle, Leber und Milz. Daneben enthält die Wurzel ein hohes Maß an Inulin, außerdem Eiweiß, Eisen und Gerbsäuren.

Nutzung der Wegwarte als Heilkraut und Nahrungspflanze

Schon im Altertum fand sie Verwendung als Gemüse-, Salat- und Heilpflanze. Durch die Arbeit der Archäologen wissen wir heute, dass die Wegwarte etwa von bronzezeitlichen Siedlern genutzt wurde.

Wegwarten-Blätter und die Wurzel kann man als Gemüse verzehren. Die Stängel der Wegwarte verzehrt man gegart oder in Teig ausgebacken.

Bekannt ist Zichorien-Kaffee, aus der gerösteten Wurzel. Für dieses Getränk verwandte man vor allem eine Zuchtform der Wegwarte: Cichorium intybus var. sativum.

Wegwarte gilt als anregend für die Verdauung. Junge Blätter können im Frühjahr als Salat verzehrt werden. Wird die Pflanze älter, kann man sie Suppen beigeben.

Wegwarte, die Heilpflanze

Im Rahmen einer Frühjahrskur regen die Blätter der Wegwarte den Stoffwechsel an und unterstützen die Kaliumaufnahme. Ein Tee aus Wegwartenblättern und deren Wurzeln soll einen positiven Einfluss auf die Milz haben, rheumatische Beschwerden lindern, sowie Leber und Galle anregen. Auch Augenleiden soll Wegwarte kurieren können.

Frisch gepressten Saft der Wegwarte empfiehlt man zur Verbesserung der Bauchspeicheldrüsen-Funktion.

Wegwarte bei Hautproblemen

Bei unreiner Haut und Ekzemen gelten Kompressen aus Wurzel-Tee und den Blüten als hilfreich.

Wegwarte im Brauchtum

Um die Wegwarte ranken sich viele Bräuche und Rituale der Sympathiemedizin, einer Medizin, die abergläubische Elemente mit heilkräftigen Anwendungen verknüpfte. Die bereits in vorkeltischer Zeit verehrte Pflanze, galt als Verkörperung der Vegetationsgöttin. Der Legende nach war sie die Frau des Sonnengottes, nach dem sie mit ihren blauen Augen Ausschau hielt, während er am Himmel seine Bahn zog. Der Sonnengott besaß die Gestalt eines Hirsches. Mit einem Hirschgeweih ausgegrabenen Wegwarten maß man folgerichtig die stärksten Wirkungen zu.

Die christliche Mythologie ordnete die Wegwarte den Pflanzen zu, die der Passion Christi entsprachen. Sie ist etwa Bestandteil der Kräuterbüschel, die zu Maria Himmelfahrt gebunden werden.

Alte Zauberpflanze Wegwarte

Schon bei Plinius ist von der Zauberkraft der Wegwarte zu lesen. Rieb man sich etwa mit einem Gemisch aus dem weißen Saft und Öl am ganzen Körper ein, so sollte das die Beliebtheit steigern und man könne alles bekommen was man wollte.

Am Johannistag, mit goldenem Werkzeug, in einem besonderen Ritual ausgegrabene Wurzeln, galten als Unglück abwehrend.

Mit Wegwart-Wurzel unter das Kopfkissen gelegt, ließ sich einen Dieb im Traum entlarven.

Vor allem der weiß blühenden Wegwarte traute man magisch Kräfte zu. Ihre Wurzel galt als schutzmagisch gegen Gefahren und Verletzungen. In einem alten Zauberbüchlein heißt es dazu:

"Wie dieses gewächs in ihrer Kraft und Wirkung gegraben wird, so kann sich darmit verwahret werden wider alle seine Feinde, es seye im Sturm oder sonsten in einer Action, du kannst alle Kugeln abweisen, und wann dich einer gleich mit dem Degen wollte hauen oder stechen, so wird ihm sein Schwert oder Degen in Stücken zerspringen, und nirgends schaden können, auch kann man dich nicht mit Stricken binden, da sie entzwei gehen wie ein Faden."

Wegwarte sollte sogar die Fähigkeit besitzen, ihren Träger unsichtbar zu machen. Ein Aberglaube, der ins Auge gehen konnte!

Die weißen Blüten unter das Leinentuch einer Schwangeren gelegt, sollten bei der Geburt helfen.

Liebeszauber mit Wegwarten

Die Wegwarte wird mit einigen Liebeszaubern in Verbindung gebracht. Um sich etwa die Treue des Ehemanns zu sichern mischten eifersüchtige Frauen pulverisierte Wegwarte in das Essen des Gemahls.

Eine Wegwarte, nach einem besonderen Ritual getragen und unter das Kopfkissen gelegt, sollte jungen Mädchen ermöglichen den Zukünftigen im Traum zu erblicken. Ein Aberglaube, der ich bei verschiedenen Kräutern findet.

Als Zutat von Zaubertränken, galt Wegwarte als hilfreich, um die Aufmerksamkeit eines Mannes zu gewinnen.

Wegwarte in der Sympathie-Medizin

Unter besonderen Ritualen gegrabene Wurzeln der Wegwarten, sollten gegen Warzen und Gelbsucht helfen können. Eine Anweisung lautete etwa:

"Grabe vor Sonnenaufgang die Wurzel der wilden Cichorie aus, schabe selbige, presse sie aus und nimm den Saft mit Zucker. In das Loch der ausgegrabenen Pflanze lasse deinen Urin und scharre das Loch wieder zu."

Wegwarte in Wissenschaft und Forschung

Die Fülle von Bezügen zum Brauchtum deutet schon darauf hin, dass wesentlich mehr an dieser Pflanze ist, als Hokuspokus. Die Wegwarte enthält etwa hohe Mengen an Proteinen, Kohlenhydraten und Mineralstoffen. Sie beeinflussen physiologische und biochemische Prozesse, was zu einer besseren Gesundheit und Verringerung des Risikos von vielen Krankheiten führen kann. Das Inulin der Wurzeln etwa besitzt eine positive Wirkung bei Diabetes.

Wissenschaftliche Untersuchungen entdeckten außerdem eine antithrombotische und entzündungshemmende Wirkung von phenolischen Verbindungen in Zichorienkaffee.

Viele Bestandteile der Wegwarte gilt es noch auf ihr pharmakologisches Potential hin zu untersuchen, um ein besseres Verständnis für die Wirkung auf verschiedene Krankheiten zu erhalten.

Wissenschaftliche Publikationen zur Wegwarte

Cichorium intybus: Traditional Uses, Phytochemistry, Pharmacology, and Toxicology

Renée A. Street, Jasmeen Sidana, and Gerhard Prinsloo

 

Effect of chicory seed extract on glucose tolerance test (GTT) and metabolic profile in early and late stage diabetic rats

Abdolreza Ghamarian, Mohammad Abdollahi, Xiaogang Su, Azita Amiri, Ali Ahadi and Azin Nowrouzi

 

Antiosteoporotic effect of Petroselinum crispum, Ocimum basilicum and Cichorium intybus L. in glucocorticoid-induced osteoporosis in rats

Walaa G. HozayenEmail author, Mohamed A. El-Desouky, Hanan A. Soliman, Rasha R. Ahmed and Amal K. Khaliefa

 

 

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