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Gundermann, wertvolle Heilerin und alte Zauberpflanze

Gundermann in unserer Nähe

Gundermann Namen

Gundermann, die alte Heilpflanze

Gundermann im Brauchtum

Heutige Anwendungen des Gundermann

Gundermann in der Forschung

 

Gundermann  (Glechoma hederacea) sprießt in naturbelassenen Gärten ebenso, wie in der freien Natur. Klein und unscheinbar windet er sich gelegentlich an Steinen und Pflanzen empor. Kaum einer kennt ihn, obwohl er eine wertvolle Bereicherung für Hausapotheke und Küche darstellt. Mit seinen kleinen blauen Blüten macht er auf sich aufmerksam. Wenn man ein Gundermannblatt zwischen den Fingern reibt, duftet dieses herb-würzig. Zerkleinertes Kraut verleiht Salaten und anderen Köstlichkeiten ein besonderes Aroma. Als natürlicher Bodendecker eignet sich Gundermann wunderbar für die Gestaltung des Gartens. Dazu ist er sehr pflegeleicht.

Verbreitung des Gundermann

Gundermann ist vor allem in Europa und in Nordasien beheimatet. In Mitteleuropa wächst er häufiger, während er hoch im Norden kaum zu finden ist. Gundermann kommt bevorzugt auf feuchten, schweren, fruchtbaren, sowie kalkhaltigen Böden vor. Er bevorzugt Wälder mit mäßig feuchten bis feuchten Böden, die wenig sauer sind. Doch man findet ihn auch auf gut wasserversorgten, stickstoffreichen  Wirtschaftswiesen.

Gundermann, eine Pflanze mit vielen Namen

Landauf landab erhielt Gundermann unterschiedlichste Namen, die auf eine lange Geschichte des Gebrauches schließen lassen. Doch auch andere Pflanzen tragen einige dieser Synonyme, eine Quelle für mögliche Verwechselungen von Pflanze und Gebrauch. Oft sind es Bezeichnungen, die das nützliche Kraut wegen seiner vielfältigen Eigenschaften oder Wuchsform erhielt. Hedereich etwa, ist neben dem Synonym für Gundermann, ein Name des Acker-Senf.

Neben dem wissenschaftlichen Namen Glechoma hederacea sind Gundermann oder Gundelrebe in unserer Zeit die üblichen und zugleich eindeutigen Bezeichnungen.

Donnerkraut,  Engelkraut, Engelskraut, Donnerrebe, Gewitterblume, Widerruf stehen für schutzmagische Wirkungen, die man dem Gundermann zuschrieb.

Seine Gestalt, die Art seines Wuchses finden sich in den Namen Erdefeu, Erdkränzel, Erdkränzl, Stinkender Absatz, Steinumwickler, Guck durch den Zaun, Huderich und Hederich wieder.

Gundam, Gundelrieme, Gundelse, Gutermann, Heilrauf, Gunelreif, Heilreif, Kranzkraut, Totenkraut, Soldatenpetersilie, Grundrebli verweisen auf die Heilkraft der Pflanze. Dabei soll "Gund" der althochdeutschen Bezeichnung für "Eiter" entstammen.

Offenbar fanden sogar Tiere Gefallen an wildem Katzenkraut, Katzenminze, Zickelskräutchen, Zickelskräutlein, Zieckelkräutchen.

Auch der Gebrauch als Nahrungspflanze spiegelt sich in den Namen wieder. Bierbrauer etwa schätzten Gundermann als Erdhopfen und Gartenhopfen.

Weitere Namen, deren Bedeutung nicht so offensichtlich erscheint, lauten Huder, Udram, Blauhuder, Buldermann, Udrang, Silberkraut, Maßhold.

 

Die alte Heilpflanze Gundermann

Die Blätter des Gundermann kann man fast den ganzen Sommer sammeln. Man erkennt ihn am besten, wenn seine kleine Blüten erscheinen.

Als Heilpflanze wird Gundermann seit dem 12. Jahrhundert beschrieben.

Bereits die alten Germanen kannten und schätzten die Wirkungen des aromatischen Kräutleins. Sie kochten etwa die Blätter des Gundermann in Milch. Die einzigartige Zusammensetzung der Milch erschließt sowohl fettlösliche als auch wasserlösliche Inhaltsstoffe besonders gut.

Gebräuchlich war Gundermann gegen Zahnweh und Mundfäule. Bei starker Bronchitis kochte man das Kraut in Ziegenmilch.

Auch eine Wirkung gegen Gifte wurde ihm zugesprochen. Wegen seiner entgiftenden Wirkung versetzte man etwa Schnupftabak mit Gundermann. Die Heilkundigen nutzten ihn bei Durchfall, Magenbeschwerden und Lungenerkrankungen. Er galt als Mittel gegen Leberleiden, Gelbsucht, sowie als harn- und schweißtreibend.

Bei Hildegard von Bingen finden sich Rezepte gegen Mattigkeit, Brustweh und Ohrensausen.

Traditionelle Anwendungen

Eine einfache und beliebte Anwendung war ein Tee mit Gundermann-Blättern.

Dazu wurden 2 TL Blätter mit heißem Wasser übergossen und 5 Min. ziehen gelassen. Dieser Tee galt hilfreich bei festsitzendem Husten. Bei wundem Zahnfleisch konnte man mit dem erkalteten Tee den Mund spülen.

Er galt als stärkend nach langer Erkrankung, wofür auch die Hl. Hildegard von Bingen Gundermann bereits empfahl.

Doch auch Auflagen, Kompressen und Bäder mit Gundermann gehörten zum Repertoire. Sie sollten Hautprobleme, Ischias und Gicht oder allgemeine Schwäche kurieren.

Für ein Vollbad empfahl man 5 Handvoll Blätter in 5 L Wasser zu kochen, abzusieben und das Kochwasser ins Badewasser zugeben.

Gundermann verleiht der Gründonnerstags-Suppe seinen würzigen Charakter.

Gundermann im Brauchtum

Volksglaube und Mythologie

Heute fast vergessen, galt die kleine Pflanze bereits unseren vorchristlichen Vorfahren als mächtiges Zauberkraut. Die vielfältigen gesundheitlichen Wirkungen konnten nach altem Glauben nur im Bunde mit dienstbaren Geistern vollzogen werden. Der Bezug zur Geisterwelt ist mit der Entwicklung der evidenzbasierten Wissenschaften weitgehend verloren gegangen. Die Mannigfaltigkeit der im Volkstum bewahrten Bräuche zeigt jedoch, welch wichtige Pflanze Gundermann einstmals darstellte. Die kleine Gundelrebe galt als schutzmagisch. Man glaubte auch, dass sie hellsichtig machen konnte.

Walpurgisnacht

In der ersten Mainacht mischten die Bauern den Kühen Gundermann mit Salz ins Futter, damit sie viel Milch gaben. Das Milchgeschirr wurde mit der Pflanze ausgewischt.

Angst vor Hexen war im Mittelalter weit verbreitet. Mit dem hellsichtig machenden Kraut hoffte man Hexen zu erkennen. Dies sollte in der Walpurgisnacht möglich sein, wenn man einen Gundermann-Kranz auf dem Kopf trug.

Zauber und Milchsegen

Nach einem anderen Zauber wand man den Gundermann um eine gelbe Kerze. Wenn man diese Kerze an einem Dienstag abbrennt, soll man erkennen können, wer einem Böses will.

Gundermann gehörte zu den wichtigen magischen Kräutern, welche Haus und Hof vor Blitz und Sturm schützten.

Allerlei Zauber betrafen Milch und Vieh. Gundermann galt wohl als besonders wirksam für diese Milchzauber. Das Kraut, verstärkt mit einem Zauberspruch, versprach, den Milchertrag zu fördern. Bei den kirchlichen Milchsegen übernahm der heilige Geist oder die Jungfrau Maria die magische Unterstützung.  Dazu musste in einem vorgeschriebenen Ritual Gundermann geerntet werden. Die abschließende Handlung, das Hochwerfen des Krautes in Richtung Osten, verstärkte man mit den Worten:

Ich wirff dich auf die Wolckhen

dass mir unser lieber Herr Jesus Christ

Widergeb mein Kees und mein Molckhen

Im Namen des...usw

Die erste Milch nach dem Austrieb des Viehs sollte durch einen Kranz aus Gundermann gemolken werden, damit die Milch nicht versiegt.

Bei anderen Bräuchen verschmolzen Heilanwendung und Magie. So gab man in das Nest der Brutgans etwas Gundermann, damit die Gössel gesund und stark schlüpfen. Den Bruthennen wurde er klein geschnitten unters Futter gemischt, damit die jungen Küken kräftig wurden.

Gesund mit Magie

Neben der Anwendung als Arznei galt Gundermann auch durch seine magische Kraft als heilend. So sollte etwa das Umhängen mit Gundermann den Stuhlgang befördern.

Ungerade Zahlen unterstützten abergläubisches Zaubern. Wer etwa 7 Gundelrebenblätter in ein ungebleichtes Tuch gibt und um den Hals getragen mit sich führt, vertreibe den "Brand im Mund". Mit 77 Blättern auf eine Wunde gelegt, ist die Heilung garantiert.

Der an Pfingsten während der Predigt gepflückte Gundermann galt als wirksam gegen jede Krankheit.

In Frankreich legte man am Johannistag Gundermann auf rheumatische Körperstellen, damit die Krankheit verschwinde.

Astrologie

Die im Mittelalter blühende Alchemie fügte den Gundermann in ihr Wissenschaftsbild ein. Blattform, Blütenfarbe und Wachstum galten als Hinweis auf Verwendung und Eigenschaften von Pflanzen. In diesem System stand Gundermann für die Planeteneigenschaften von Venus und  Merkur.

In der Blattform erkannte man die Signatur der Niere. Sie spiegelt die langjährige Verwendung als Heilpflanze bei nierenassoziierten Erkrankungen wieder. Wobei die Anwendung gewiss schon vor der astrologischen Deutung bestand.

Seinem Wesen nach fördere die Pflanze auf geistiger Ebene Gelassenheit, lebenserweckende Wärme, das Loslassen und den Neubeginn.

Gundermann in der heutigen Zeit

Während magische Heilanwendungen kaum noch praktiziert werden, nutzt die Volksmedizin noch viele der einstmals üblichen Anwendungen, etwa bei Zahnschmerzen und Entzündungen der Mundschleimhaut.

Gundermann wird traditionell empfohlen: bei schlecht heilende Wunden, zur Rekonvaleszenz, gegen Rheuma, Gliederschmerzen, Blasenschwäche, bei chronischem Schnupfen und Husten sowie bei Nierenschwäche.

Zugesprochene Wirkungen: Gundermann gilt als entzündungshemmend, stoffwechselfördernd, antiseptisch, antiviral. Er wirke allgemein kräftigend, ausleitend, tonisierend und adstringierend.

Sein Genuss verbessert die Harnausscheidung, regt den Appetit an und fördert die Verdauung.

Verwendet werden die Blätter, welche vor allem die wertvollen ätherischen Öle, Gerbstoffe und Bitterstoffe bergen.

Wegen seiner Wirkstoffe eignet sich Gundermann auch als Hauttonikum, etwa in einem Gesichtswasser für unreine Haut.

Küchen-Gewürz

Einst konservierte man mit Gundermann das schon bei den Germanen beliebte Bier. Heute verwendet man den Gundermann vor allem frisch in der Küche. Er würzt Kräuterquark, Kräutersuppen und Kräuterbutter.

Gundermann in der Forschung

In vielen Studien spürte man den traditionellen Anwendungen dieser alten Heilpflanze nach. Nachgewiesen werden konnte etwa ein positiver Effekt auf die Knochenbildung. Denkbar ist Gundermann, bzw. daraus gewonnene Extrakte zur Behandlung von Knochenerkrankungen, wie beispielsweise Parodontitis, Osteoporose und rheumatoider Arthritis.

Ebenfalls publiziert wurde der Nachweis seiner antientzündlichen Wirkungen und sein antioxidatives Potential.

Hinweise zur Verträglichkeit von Gundermann

Gundermann ist für viele Säugetiere, wie zum Beispiel für Pferde, giftig. Beim Menschen sind bei normalem Gebrauch von Gundermann keine Nebenwirkungen zu erwarten.

 

Wissenschaftliche Quellen

Glechoma hederacea Suppresses RANKL-mediated Osteoclastogenesis.
Hwang JK, Erkhembaatar M, Gu DR, Lee SH, Lee CH, Shin DM, Lee YR, Kim MS.

Antioxidant effects of Glechoma hederacea as a food additive.
Milovanovic M, Zivkovic D, Vucelic-Radovic B.

 

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